Beschreibung

Der Canossagang Heinrichs IV. im Winter 1076/77 gehört zu den geschichtlichen Ereignissen des Mittelalters, die im kollektiven Gedächtnis fest verankert sind. Das große Interesse an diesem Thema entspricht durchaus der historischen Bedeutung der Vorgänge um „Canossa“, mit denen die Grundlagen für die Trennung von "Kirche" (sacerdotium) und "Reich" (regnum) geschaffen wurden. Der frühere Einheitskosmos von weltlicher und kirchlicher Sphäre, in den die Gesellschaft bis dahin eingebettet war, begann sich aufzulösen. "Moralische Eliten" setzten mit gewaltiger Energie neue Wertemaßstäbe durch, von denen Recht und Wissenschaft, Theologie und Kirche, Gesellschaft und Politik der Zukunft geprägt wurden. Vor diesem Hintergrund erscheint „Canossa“ manchen Historikern als tiefer greifende Wende in unserer Geschichte als die Französische Revolution. Prof. Dr. Stefan Weinfurter ist Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Direktor des Instituts für fränkisch-pfälzische Geschichte und Landeskunde an derselben Universität sowie Ordentliches Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften.

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