Beschreibung

Unternehmen sehen sich zunehmend mit der Herausforderung konfrontiert, eine schnell wachsende Komplexität zu bewältigen. Im Zuge der Komplexitätsbewältigung stellt sich die Frage, ob Governance-Strukturen eines Unternehmens auf dessen Komplexitätsgrad abgestimmt werden müssen. Die klassische Corporate Governance-Forschung gibt auf diese Frage keine eindeutige Antwort. Sie beschäftigt sich vielmehr mit der Identifizierung einer allgemeingültigen "Good-Corporate-Governance". Die vorliegende Arbeit adressiert diese Forschungslücke, indem sie einen situativen, d. h. vom Unternehmenskontext abhängigen Charakter der Corporate Governance unterstellt. Sie beschäftigt sich mit der Frage, ob und in welcher Form der unternehmensindividuelle Grad der Organisationskomplexität die Erfolgswirkung von Governance-Strukturen moderiert. Zunächst wird die Organisationskomplexität als eine vom Unternehmenskontext unabhängige Innenkomplexität konzeptualisiert. Mithilfe einer explorativen Faktorenanalyse wird das entwickelte Komplexitätsmaß für deutsche Aktiengesellschaften des DAX, MDAX und TechDAX in den Jahren 2002-2007 bestätigt und deren Komplexitätsgrad quantifiziert. Anschließend wird mithilfe einer Panel-Regression der komplexitätsabhängige Erfolgsbeitrag einzelner für das deutsche Governance-System charakteristischer Governance-Mechanismen untersucht. Im Fokus stehen dabei die Eigentümerstruktur, der Aufsichtsrat und die aktienbasierte Vergütung. Der zentrale Beitrag der Arbeit besteht in der Identifizierung klarer Hinweise auf den moderierenden Effekt der Organisationskomplexität in der Corporate Governance. Der festgestellte situative Charakter der Corporate Governance bietet eine Erklärungsmöglichkeit für die widersprüchlichen Ergebnisse klassischer Corporate Governance-Studien. Die Ergebnisse der Panelanalyse geben zudem Hinweise darauf, dass externe Überwachungsträger insbesondere bei geringer Organisationskomplexität einen positiven Beitrag zum Unternehmenserfolg erbringen. Bei hoher Organisationskomplexität kann die Überwachungsqualität durch unternehmensspezifische Erfahrung gesteigert, durch Befangenheit reduziert werden. Anreizmechanismen werden häufig durch negative Entrenchment-Effekte überlagert. Diese fallen bei hoher Komplexität besonders stark aus.

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