Beschreibung

Das besondere an Peter Leonards Texten ist, dass er so echt schreibt, Dialoge wie gerade notiert. In augenblicklicher Abfolge. Seine Dialoge stehen einfach da, mitten im Text, unvermittelt im Raum. Wirken nicht erfunden, nicht hölzern. Wie man wirklich denkt. So steht es da. Die Gedankenabfolge wie in Wirklichkeit, wenn wir nach Worten suchen im Gespräch; uns unsicher sind, uns verbessern. Auch, was wir vielleicht lieber nicht gesagt oder gedacht hätten. Das kommt hier vor, das wird benannt. Wir sind seine Figuren. Leonard zeigt wie mit einem Scheinwerfer auf einen Ausschnitt irgendeines Lebens, irgendeines Momentes. Mit eingeflochtenen Erinnerungen.Textprobe:"Welche Bilder malst du, fragst du ihn. Er ist überrascht. Seine Finger spielen mit dem Sofabezug. Lange, schmale Finger. Sicher ist er ein guter Maler, denkst du. Das Blau ist schwach jetzt. Nach dem Winter kommen die Träume, immer. Porträts, sagt Roman. David geht vorbei, hebt kurz die Hand. Er ist schlank; dunkel. Du hast noch nie mit ihm geschlafen. Porträts, fragst du. Am Fenster Eisregen. Trockenes, wirres Klopfen. Roman faßt dich an. Seine Hand auf deinem Arm. Jemand lacht laut und ordinär. Vor dir siehst du ein Atelier. Zwei Menschen. Ein Maler, ein Modell. Ein Mädchen mit kurzen Haaren. Fast geschoren. Schmale, feste Brüste. Es sitzt. Es blickt am Maler vorbei. Keine Bewegung. Immer noch Eisregen; schwaches Blau. Ich möchte dich malen, sagt Roman. Ein Atelier. Zwei Menschen. Ein Maler, ein Modell."

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