Beschreibung

Christen galt die Weinenthaltung als Zeichen der Ketzerei, doch die Trunkheit war eine Sünde. Die mittelalterlichen Bußordnungen, Luthers Kampf gegen den 'Saufteufel', die Temperenz-Kreuzzüge, die rassenhygienische Alkoholpolitik und die heutige 'Suchtgesellschaft': Wege und Abwege in einem langen Prozeß der Ernüchterung und Vergeistigung. Und zugleich Schlacht-felder eines seit zwei Jahrhunderten global geführten Kampfes um kulturelle Hegemonie, um die Deutungsmacht über das 'richtige Leben'. Wir haben die Trunkenheit marginalisiert und medikalisiert - besiegen konnten wir sie nicht. Die Suchtforschung dreht sich im Kreis. Denn sie leugnet ihre Moralität und weiß nichts von der tiefen Geschichtlichkeit ihres Gegenstands: Es gilt, den biologisch-epidemiologischen Expertendiskurs in eine historisch-anthropologische Ana-lyse einzubetten.

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