Beschreibung

Die internationale Soziologie ist im beginnenden 21. Jahrhundert durch eine paradoxe Lage gekennzeichnet. Auf der einen Seite stehen soziologischen Theorieansätze in einer modernisierungstheoretischen Tradition, die die Transformation der postkommunistischen Gesellschaften und die fortschreitende Modernisierung peripherer und postkolonialer Gesellschaften als entscheidende Etappen zur Universalisierung des westlich-europäischen Modells sehen. Auf der anderen Seite stehen kritische soziologische Ansätze, die die unterschiedlichen Entwicklungen der Modernisierung in postkommunistischen und nicht-europäischen Gesellschaften und die mit tiefen Konflikten gekennzeichnete globale Moderne als Anzeichen dafür nehmen, dass sich die sich globalisierende Welt nicht nach dem Muster europäischer Gesellschaften vollzieht oder (normativ gewendet) auch nicht vollziehen sollte. Vor diesem Hintergrund hat der vorliegende Sammelband vor allem zwei Zielsetzungen. Erstens will er kritisch anti-eurozentrisch orientierten Ansätze, wie sie vor allem in weltsystemtheoretischen und postkolonialen Ansätzen entwickelt sind, exemplarisch vorstellen, will sie aber zugleich mit dem multiplen Modernitätsansatz, der als kritische Revision einer eurozentrischen Modernisierungstheorie zu verstehen ist, konfrontieren. Damit sollen nicht nur theoretische Kontroversen dokumentiert, sondern die Beziehungen zwischen sehr unterschiedlichen Theorieströmungen verdeutlicht werden. Zweitens werden solche Analyserichtungen privilegiert, die im Kern eine historisch-soziologische, relationale Methodologie für die Analyse peripherer, kolonialer und postkolonialer Gesellschaften vorschlagen oder praktizieren.

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