Beschreibung

Wolfgang Engler überrascht mit einer facettenreichen Darstellung des Wandels bürgerlicher Lebenskultur und der Preisgabe bürgerlicher Tugenden seit der Aufklärung. Das Fazit seiner Analyse: Aufrichtigkeit ist ein Gebot der praktischen Vernunft. Aufrichtigkeit hatte dem Bürgertum einst in einer feindlichen Umwelt zu einer Vertrauensbasis verholfen. Engler illustriert, wie dieses Erbe entsorgt wurde, Treu und Glauben ihre Relevanz verloren. Der Eigennutz von Marktteilnehmern galt weithin als der beste, wenn nicht einzige Garant des Gemeinwohls. Nun zwingt der drohende Crash des Systems zu Staatsinterventionismus, Wirtschaftskapitäne übertreffen sich in der Rolle von Bittstellern. Englers kulturgeschichtliche Studie zeigt: Weder Markt noch Recht, noch Ideologie allein schaffen eine tragfähige Grundlage. Der Kampf um Existenz und Anerkennung darf den sozialen Zusammenhalt der Bürger nicht gefährden. Nur wenn der Kapitalismus an sein sozialmoralisches Erbe anknüpft, bleibt er politisch mehrheitsfähig.

Rezensionen ( 0 )
Noch keine Rezensionen vorhanden.
Sie können die Erörterung eröffnen.
Zitate (0)
Sie können als Erste ein Zitat veröffentlichen.
Top