Beschreibung

Als die Bundesanstalt für Arbeit im Herbst 1961 eine Anwerbestelle in der Türkei einrichtete, geschah dies in der Absicht, den Mangel an Arbeitskräften durch "Gastarbeiter" auszugleichen. Bis zum Anwerbestopp im September 1973 reisten etwa 865000 überwiegend männliche türkische Arbeitskräfte in die Bundesrepublik. Obwohl ihre hohen Erwartungen an die Verdienstmöglichkeiten und an das Leben in Westdeutschland rasch enttäuscht wurden, wollten die meisten von ihnen zumindest so lange weiterarbeiten, bis sie ihre Zukunft in der Türkei finanziell gesichert hätten. Allerdings erreichten sie ihre Sparziele nur selten. Was als vorübergehender Aufenthalt in der Bundesrepublik gedacht war, mündete in einen schleichenden Einwanderungsprozeß: Die "Gastarbeiter" verließen die Arbeiterwohnheime, holten Ehepartner und Kinder nach, eröffneten türkische Lokale und Geschäfte, gründeten politische und kulturelle Vereine. Karin Hunn untersucht die gleichermaßen ungeplante wie ungewollte Einwanderung aus der Türkei auf breiter Grundlage. Sie berücksichtigt die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen dieses Prozesses ebenso wie die Alltagserfahrungen der türkischen Migranten innerhalb und außerhalb der Betriebe. Dieser Ansatz ermöglicht es, die immer noch dominierende nationale Engführung in der bundesdeutschen Migrationsforschung zu überwinden und zu erklären, warum diese Einwanderung sowohl für die Migranten als auch für die bundesdeutsche Gesellschaft so schwierige und bis in die Gegenwart reichende Herausforderungen mit sich brachte.

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