Beschreibung

Hat es auch in der DDR einen politischen Mißbrauch der Psychiatrie gegeben? Sonja Süß hat in jahrelanger Kleinarbeit Hunderte Akten des MfS ausgewertet und kommt in ihrer Monographie zu überraschenden Ergebnissen: Tatsächlich hat ein Teil der Ärzte, die als inoffizielle Mitarbeiter des MfS tätig waren, Patientengeheimnisse verraten. Auch wurden psychisch Kranke anläßlich von Staatsfeiertagen als potentielle Störer vorübergehend in psychiatrische Krankenhäuser eingewiesen. Außerdem waren mehrere Fälle von Psychiatriemißbrauch zur Disziplinierung unbequemer Menschen durch die politischen Machthaber nachzuweisen. Doch anders als in der Sowjetunion oder Rumänien wurde die Psychiatrie in der DDR nicht systematisch als staatssicherheitsdienstliches Instrument zur Verfolgung politischer Gegner mißbraucht. Sonja Süß macht das Geschehen im psychiatrischen Fachgebiet durch eine ausführliche Schilderung des zeitgeschichtlichen Kontextes in bezug auf das gesamte Gesundheitswesen der DDR verständlich und zeichnet das Zusammenspiel von KGB und MfS im Weltverband für Psychiatrie nach - ein Geschehen, über das bisher nur vage Vermutungen existierten.

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