Beschreibung

In nahezu jedem Unternehmen gehört die Festlegung von Preisen und verfügbaren Mengen für die angebotenen Güter und Dienstleistungen zu den zentralen Aufgaben der Unternehmensführung. Während homogene Ein-Markt-Oligopole bereits von Cournot (1838) und Bertrand (1883) anhand formaler Modelle untersucht wurden, gibt es für die wichtige Konstellation des quasihomogenen Multi-Markt-Oligopols nur wenige theoretische Erkenntnisse. Praxisorientierte Computersimulationen haben dagegen aufgrund industriespezifischer Annahmen oft nur einen geringen Anwendungsbereich und/oder lassen sich mangels Formalisierung nicht in den Kontext anderer Arbeiten einordnen. In der vorliegenden Arbeit wird in Anlehnung an Selten (1965, 1970) ein mehrperiodisches Modell zur Abbildung quasihomogener Multi-Markt-Oligopole mit Nachfrageträgheit konstruiert, das in der Grenzbetrachtung auch den rein homogenen Fall abdeckt. Die Analyse zeigt, dass im quasihomogenen Fall kein Nash-Gleichgewicht in reinen Strategien existiert, während im homogenen Fall das eindeutige Gleichgewicht der Bertrand-Lösung entspricht. Der Unterschied zum Cournot-Ergebnis von Kreps/Scheinkman (1983) resultiert aus der unterschiedlichen Modellierung der Nachfragefunktion und der Rationierung. Ferner ergeben sich durch die Multi-Markt-Konstellation keine Unterschiede zur Einzelmarktbetrachtung. Das Irrelevanz-Resultat für Multi-Markt-Verknüpfungen von Bernheim/Whinston (1990) wird dadurch für eine endliche Periodenanzahl um den quasihomogenen Fall unter zusätzlicher Berücksichtigung von Kapazitäten erweitert. Um die Operationalisierbarkeit der Ergebnisse in der Praxis zu gewährleisten, wird das allgemeine Modell mit Hilfe von prototypischen Basisstrategien reduziert und mittels einer Computersimulation ausgewertet. Es bestätigen sich dabei die Ergebnisse des allgemeinen Modells sowie zum Teil die Ergebnisse anderer Oligopolsimulationen. Zudem werden die Ergebnisse zu konkreten Handlungsempfehlungen auf Management-Niveau verdichtet. Die wohl wichtigste Aussage für Anbieter im quasihomogenen Multi-Markt-Oligopol ist die Empfehlung der Preis-Mengen-Strategie 'Pseudo-Optimieren'. Ihre Anwendung ermöglicht hohe Gewinne und vermindert im Gegensatz zu einer konsequenten Angriffsstrategie oder einer Vergeltungsstrategie ('Tit for Tat') die Gefahr von Preisabwärtsspiralen.

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