Beschreibung

Der Rationalitätsbegriff steht seit Beginn spieltheoretischer Wissenschaft im Fokus einer Vielzahl von Diskussionen, Untersuchungen und Experimenten. Der von Camerer 1997 geprägte Begriff der Sophisticated Rationality nimmt in der Reihe der Rationalitätskonzepte eine besondere Stellung ein, da bei diesem Konzept der Einfluss des eigenen Handelns auf das Handeln des Mitspielers explizit Berücksichtigung findet. Die vorliegende Arbeit beantwortet zwei relevante Fragestellungen im Kontext des Centipede-Spiels: (1) Lässt sich Sophisticated Rationality im für das Konzept ebenfalls relevanten zeitlichen Verlauf nachweisen? (2) Lässt sich Sophisticated Rationality von verwandten Erklärungsmodellen experimentell isolieren, insbesondere von Lerneffekten? Die Datengrundlage für die Analysen wird durch eine eigene spieltheoretische Experimentreihe des Centipede-Spiels gelegt. Durch einen speziellen Paarungsmechanismus der Teilnehmer kann das Verhalten sowohl im Rundenverlauf mit gleichem Mitspieler als auch bei einem Mitspielerwechsel beobachtet werden. Im Ergebnis lässt sich Sophisticated Rationality im Kontext des vorgestellten Experiments im Zeitverlauf als Effekt von anderen Einflussfaktoren isolieren und kann somit einen selbständigen Erklärungsbeitrag für auftretende Verhaltensmuster liefern. Eine Abgrenzung zu Lerneffekten lässt sich im Centipede-Spiel durch die Separierung von Spielstrategien, die vom Nash-Gleichgewicht wegführen, und solchen, die im Zeitverlauf zum Nash-Gleichgewicht hinführen, erzielen.

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