Beschreibung

pdf-FormatDer Roman handelt in zwölf Kapiteln von der »Nacht, in der Raimund fortgehen wird«, und erzählt wird er von der verlassenen Frau. Aber ebensogut könnte man sagen, daß die Erzählerin Raimund verlassen hat: Genau genommen ist sie aufgebrochen, um in dieser Nacht an der Rezeption eines von ihrer Mutter geführten Hotels auszuhelfen. Von dort sieht sie durch die Dunkelheit auf der anderen Seite des Tals ihr erleuchtetes Haus, in dem, wie sie weiß, gepackt wird.Martina Hefter wirft Erinnerungsnetze aus, tastet sich an den Weltfasern entlang, verknüpft sie zu einem »Nachtnylon«, das »sich selbst jeden Tag neu an die Beschenkten verteilt, an uns, an die in der Nacht Wachen, so hängen wir alle zusammen, im Gewebe des Satzes, im Satznylon, das sich hebt und senkt, bei jeder Bewegung von innen.« Lang zurückliegende Zeiten und weit voneinander entfernte Orte können so im Erzählen zusammengebracht werden, Geschichten wie die von der Frau, deren Mann spurlos nach Toronto verschwand, von der Fernsehserie »Die Waltons«, von Heike aus Crimmitschau, vom mecklenburgischen Quasow, woher die Familie eigentlich stammt, und vom KdF-Urlaub der Großmutter 1937, dessen Folgen das Familienschicksal zumindest für zwei Generationen in die Alpen verlagert haben. Und natürlich mischen sich ins Erzählen immer wieder Erinnerungen an Raimund, an die gemeinsame Lieblingsanekdote vom zögerlichen Eiskäufer beispielsweise, in dem sie, die zum Leben Unentschlossenen, sich selbst betrauern, oder an das Spiel, Etiketten zu erfinden, um sie an alle möglichen Gegenstände zu heften: »Die ganze Welt könnte man mit solchen Bildern bekleben... Weißt du noch, sage ich in die Hotelhalle, unser Frühstück haben wir damit verbracht, uns die zu diesem Frühstück passenden Aufkleber auszudenken: Frühstücken bringt`s. Frühstücken ist cool. Diese Stühle sind unvergleichlich. Raimund ist unvergleichlich, der Kaffee ist unvergleichlich! Dieses Frühstück gibt Kraft!«Martina Hefter erzählt in ihrem zweiten Roman mit spielerischer Kraft und ungemein sinnlicher Beweglichkeit. Sie umkreist ihre Gegenstände und kehrt zum Ausgangspunkt zurück - im Wissen und mit dem Impuls, daß die Reise stets von neuem beginnt.

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