Beschreibung

Воспроизведено в оригинальной авторской орфографии издания 1905 года (издательство "Royal Anthropological Institute of Great Britain and Ireland]").

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Im nördlichsten Teil Deutschlands, nahe an der Ostsee, liegt die alte Handelsstadt Lübeck.
Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts lebte dort eine
Kaufmannsfamilie, die durch Klugheit, Tatkraft und Geschäftssinn
zu Ansehen und Wohlstand gelangte. Wir kennen ihre Geschichte.
Die alte Familienchronik sowie Briefe und Dokumente sind erhalten.
Gegenüber der gotischen Kirche St. Marien bewohnte die Familie ein
stattliches Haus, und mit einer eigenen kleinen Flotte von
Segelschiffen trieb sie Handel mit Getreide, der sie bis nach
Stockholm und Amsterdam, nach Edinburgh und London führte.
In der Geschichte dieser Familie spiegelt sich die ganze Geschichte
des 19. Jahrhunderts. Sie erlebte die napoleonischen Kriege, den
Aufstieg Preußens, den Aufstieg des liberalen Bürgertums, dem sie
selbst angehörte; sie erlebte die gescheiterte Revolution von 1848,
den Aufschwung der Industrie und des Verkehrs mit Eisenbahnen
und Dampfschiffen und schließlich 1871 die Entstehung des neuen
Deutschen Reiches.
Der Gründer der Firma, der am Anfang des 19. Jahrhunderts sein Geschäft zum Erfolg geführt
hatte, war Johann Siegmund Mann, sein Enkel der Lübecker Senator und Kaufherr Heinrich
Thomas Mann, und einer der beiden Urenkel, durch den die Familie und ihre Stadt in aller
Welt bekannt geworden sind, war Thomas Mann.
Der Senator hatte nicht nur Freude an seinen Söhnen. Wer von ihnen würde später die Firma
übernehmen? Weder Thomas noch sein Bruder Heinrich zeigten Interesse am
Kaufmannsberuf. So endete 1891 die stolze hundertjährige Firma mit dem Tod des Senators.
Thomas war 16 Jahre alt, als sein Vater starb, 19 Jahre, als er mit seiner Mutter nach
München zog, und 22, als er während eines Aufenthalts in Italien den Roman über die
Geschichte seiner Familie zu schreiben begann. Thomas Mann änderte den Namen und nannte
sie „Buddenbrooks“. Auch Charaktere und Handlungen wurden geändert, denn der junge
Schriftsteller hatte sich ein anderes Ziel gesetzt, als eine historisch genaue Chronik zu
schreiben. Der Untertitel des Romans bezeichnet das Thema: „Verfall einer Familie“.
„Buddenbrooks“ gilt als der Höhepunkt und Endpunkt der deutschen bürgerlichen
Romanliteratur des 19. Jahrhunderts. Genau beobachtete Thomas Mann die Bürger seiner
Heimatstadt, und mit feinem Sinn für Ironie beschreibt er in einer präzisen Sprache, wie sie
denken, handeln und sprechen. Dies macht den Roman fesselnd trotz seiner epischen Breite
und unterhaltsam trotz seines tragischen Endes.
Johann Buddenbrook, der Stammvater, ist der Gründer und Herr einer aufstrebenden Firma.
Wie sein Vorbild Johann Siegmund Mann hat er sie durch Klugheit und Tatkraft zum Erfolg
geführt. Sein Lebensinhalt ist sein Unternehmen, sein Glaube der Fortschritt. Aber bereits mit
seinem Sohn beginnt der „Verfall“. Jean Buddenbrook ist Romantiker, der Geschäftssinn
seines Vaters ist ihm fremd.
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